Samstag, 16. Oktober 2021

Mein Grundstück ist zu klein!

Jetzt war eine lange "Post-Pause" - keine besonderen Vorkommnisse. Morgen werde ich nach Rolla reisen und dort für ca. 4 Wochen die Stellung halten. Allerdings hat der Brunnenbohrer sich für Anfang November angekündigt - mal sehen, wie ich das organisieren kann...

Die letzten Tage vor der Abreise packt mich das Aufräum- und Putzfieber. Gestern habe ich in der Werkstatt und beim Holzlager aufgeräumt und das noch vorhandene Bauholz endlich zugedeckt. Heute ist das Haus dran - Müllentsorgung, Toilette leeren und Großputz. Außerdem ist packen angesagt, hoffentlich vergesse ich nichts Wichtiges. 

Gerade als ich den letzten Müll weggefahren habe und ins Haus will, taucht Sverre auf. Er überfällt mich mit einem Wortschwall in seinem Dialekt - ich verstehe nichts! So langsam wird klar, dass er dafür sorgen will, dass Frank mir die angekündigte Erde bringt. Wohin? Im "Hof" habe ich gekiest, darauf sollte kein Erdhaufen kommen. Der dafür vorgesehene Platz, den ich mit Brettern markiere, ist mittlerweile vom Boot belegt. Das könnte doch zwischen Garage und Haus noch Platz finden? Wenn ich den Anhänger wegnehme, der ohnehin mit nach Rolla kommt. Sverre hilft mir, das Boot dorthin zu versetzen. Nur - wenn dann der Brunnen genau dort gebohrt werden soll, dann ist es wieder im Weg. Ein ständiges hin- und her-räumen...mein Grundstück ist zu klein!


Dienstag, 28. September 2021

Was gibt's Neues?

Keine aufregenden Abenteuer, nur der alltägliche Genuß! Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit...ein Schritt auf die Terrasse lohnt sich immer. So mache ich auch bei nächtlichen Aufwachphasen immer einen Schritt vor die Tür. Meist ist es überraschend warm. So auch heute morgen - 15 Grad beträgt die Lufttemperatur. Dicke und dünne Wolken verstecken mäßig die Sonne, die ständig versucht, ein Wolkenloch zu finden. Ein leichter Wind umspielt mich, lässt das Meer fröhlich rauschen und zaubert leichte Schaumkrönchen auf die Brandung. Meine Morgengymnastik kann heute auf der Terrasse stattfinden.


Meine nächtlichen Ausflüge vor die Tür haben mir vor 10 Tagen ein herrliches Polarlicht beschert - ich konnte mich gar nicht satt sehen.



Tagsüber habe ich dann mit meinem neuen Spielzeug die ersten Probeflüge rund um meine Hütte durchgeführt.

Und last but not least kann ich vergangenen Mittwoch als Erfolgstag im Kalender verzeichnen - Hägar hat nach 2 Monaten Wartezeit endlich seine neuen Vorderreifen bekommen und nun sind wir wieder mobil!
Mehrere Termine im Vorfeld sind geplatzt und auch jetzt ist zwar die Werkstatt offen, Raymond aber weit und breit nicht zu sehen. Mein Anruf bei ihm läuft ins Leere. Ein unzuverlässiger Typ!? Genau in diesem Moment klingelt das Telefon und er entschuldigt sich noch für 10 min. Die Montagekosten hat mir Raymond dann freundlicher- und überraschenderweise erlassen.
Außerdem kam an diesem Tag mein neuer Durchlauferhitzer aus China an, auf den ich große Hoffnungen setzte. So lange, bis sich herausstellte, dass er mit der norwegischen Elektrik nicht funktioniert! Natürlich hatte ich das im Vorfeld abgeklärt und man hat mir versichert, das Gerät würde auch in Norwegen funktionieren. Auf eine besänftigende Antwort des Lieferanten warte ich noch.
Mit den neuen Reifen sind Hägar und ich trotz Regen sogleich nach Harstad aufgebrochen um alle inzwischen aufgestauten Aufträge zu erledigen. Die Gartenfräse, die nun wochenlang in Reparatur war, ist glücklicherweise auch fertig und wir können sie abholen. In vielen Baumärkten sammle ich Schrauben, Elektro- und Wasser-Installationsmaterial, Kleinwerkzeug und einen nagelneuen Schraubstock zusammen. Neue Platten für meinen Anhänger bekomme ich allerdings leider nicht. Dennoch ist der Hänger gut gefüllt.
Erst nach 17 Uhr treten wir den Heimweg an. Der Regen ist stärker geworden, so dass ich mein "Ganzkörperverhüterli" (einen Poncho) überziehe. Dieser flattert heftig im Fahrtwind - bald stelle ich jedoch fest, dass auch ohne Fahrt ein heftiger Wind herrscht. Hägar kämpft um die 50 km/h-Grenze! An der Tjeldsundbrücke verkündet die Anzeige eine Windgeschwindigkeit von ca. 80 km/h (Windstärke 9)! Das ist heftig! Auf der Brücke herrscht Baustellenverkehr mit Ampelregelung, so dass wir mitten auf der Brücke warten müssen. Wir spüren, wie die gesamte Brücke im Wind schwingt - etwas sonderbar ist dieses Gefühl schon.
An diesem Abend werde ich noch mit einem spannenden Lichtspiel belohnt: es herrscht Vollmond, der sich aber hinter den dichten Wolken versteckt. Nur über Ballangen scheinen ein paar Strahlen ein kleines Loch gefunden zu haben - sie werfen einen feinen silbernen Streifen auf das Wasser am anderen Ufer.


Mittwoch, 15. September 2021

Alltag

Ein herrlicher sonniger Tag! Die Schneegrenze auf den Bergen gegenüber ist gesunken - als waagrechte Linie verläuft sie parallel zum Meeresspiegel auf schätzungsweise etwa 800 m.

Jetzt wird unterm Haus geräumt! Zuerst setze ich die Wasserpumpe höher, damit das Wasserfass direkt darunter passt. Es wird ein größeres Gerüst und ein langer, langer Zwischenboden, den ich aber noch nicht fertig machen kann, weil noch eine ganze Menge Holz und verschiedene Rohre dort lagern. Gemütlich lasse ich es angehen, mache öfters lange Denkpausen und krabbele dann ab und zu wieder durch den Dreck unterm Haus. Die größte Aktion heute ist, die Pumpe und die Schlauchanschlüsse dicht zu bekommen - mein Wasserwerk verliert schon seit einem Jahr immer wieder Druck am Saugschlauch. Ich muss dazu eine Klebeaktion anzetteln, die aber dazu führt dass ich heute kein Wasser mehr im Haus habe, denn der Kleber muss über Nacht trocknen. 

Mit großem Getöse nähert sich etwas von Westen, natürlich muss ich gleich schauen was das ist. Es sind 2 Schnellboote, vermutlich von der Marine, was ich aber mit bloßem Auge nicht sicher erkennen kann. Nur wenig später fahren Sie wieder fjordauswärts. Das muss Spaß machen, mit so einem Boot übers Wasser zu flitzen!

Ja, die Mitternachtssonne und die weißen Nächte sind schon eine Zeit lang vorbei. Um 10 Uhr schau ich wieder mal auf die Terrasse, es gibt einfach immer etwas zu hören (Stille) oder zu sehen. Heute gibt es endlich mal wieder Sterne zu sehen! Es ist nie langweilig!





Samstag, 11. September 2021

Meine zweite Bootsfahrt überhaupt

Ich habe immer noch keine vernünftige Möglichkeit gefunden, mein "kleines" Boot ins Wasser zu bekommen. Also ziehe ich es mühsam über all die Steine und mir tut die Bootsoberfläche (bzw. Unterseite) sehr leid. Diesmal nehme ich den Motor schon mal mit, die Ruder und alles was man sonst noch so braucht. Das Meer ist spiegelglatt, die Sonne scheint, es ist herrlich! Nur schwer komme ich vom Ufer weg - das Boot sitzt noch auf den großen runden Steinen auf - und rudere ein ganzes Stück bis etwa zu Arnes Hütte im Westen. 

Ich beobachte den Meeresboden, wage mich aber nicht weit hinaus, wo der Boden in der Dunkelheit verschwindet. Einige Meter vom Ufer liegen noch große Steine und Felsen, dann eröffnet sich weißer Sandboden. An einer Stelle entdecke ich sogar einen großen Seestern.
Ich versuche, mich an das Schaukeln des Bootes zu gewöhnen, auch wenn etwas größere Wellen daher kommen. Vom Ufer aus sehen diese Wellen recht harmlos aus, hier draußen wird mir dabei ziemlich ungemütlich. Meine Freunde, die Schweinswale besuchen mich. Sie sind ein Stück weiter draußen, aber zu schnell, um hinzurudern.

Ich reiße mich zusammen, sammle meinen ganzen Mut und setze mich nach hinten zum Motor. Oh je, der Bug schaut jetzt in den Himmel! Ich bin wohl zu schwer... Am Ufer sammle ich 4 große Steine und lege sie in den Bug als Ausgleichsgewicht, dann rudere ich wieder etwas hinaus und versuche, den Motor zu starten. Erfolglos. Ich sitze einfach im Boot und lasse mich treiben. Genieße die Ruhe. Ein Schwarm Fischbrut zieht vorbei und endlich kann ich aus der Nähe sehen, was da häufig vor den Bootshäusern herumhüpft. Die Minifischchen sind nur zwischen 5 und 10 cm lang.
Ich traue mich noch mal an den Motor, aber er springt wieder nicht an. Stattdessen reiße ich mir die Haut auf, beim Versuch das Benzin in den Vergaser zu pumpen. Erneute Ruhepause und der nächste Versuch, wieder meinen Mut zusammen zu nehmen. Und noch einmal versuche ich es. Irgendwann zuckt der Motor tatsächlich! Ich bleibe dran, auch wenn das Boot ziemlich schräg im Wasser liegt. Der Motor springt an! So, jetzt erst einmal mit dem Motor klar kommen. Choke an oder Choke aus? Immer wieder stirbt der Motor ab aber irgendwann bleibt er dann doch am Laufen. Nun versuche ich mich vorsichtig an Fahrt und Lenkung zu gewöhnen. Ich gebe leicht Gas - das Boot dreht genau NICHT in die Richtung, die ich gerne möchte. Na ja, aller Anfang ist schwer. Wir gewöhnen uns langsam aneinander. Allerdings traue ich mich nicht, viel Gas zu geben. Die Steine im Bug sind sehr sinnvoll, aber meiner Ansicht nach ragt er immer noch zu weit in die Luft. Wir fahren ein bisschen hin und her, ganz geheuer sind mir Steuerung und Antrieb noch nicht. Auf einer etwas längeren Strecke (ich versuche, geradeaus zu fahren) stelle ich fest, dass der Motor immer wieder aus dem Wasser kippt. Ich weiß noch nicht wie ich das in den Griff kriegen soll. Also, genug für heute...in dem Moment verdurstet auch der Motor. Mühsam ziehe ich das Boot über den langen Steinstrand wieder an Land und räume alles auf. Das war meine Jungfernfahrt mit Motor!

Bei einem abendlichen Telefonat mit meiner Familie plätschert es plötzlich ziemlich laut - meine Walfreunde sind gaaaanz nah am Ufer und springen ziemlich weit aus dem Wasser! Wahnsinn! So nah hab ich sie noch nie gesehen. Lange sind sie zu beobachten, dann gesellen sich noch weitere Tiere dazu. Ob sie wohl nach einer schiffbrüchigen alten Lady suchen???



Samstag, 4. September 2021

Kommt der Winter?

Schon vor ca. 2 Wochen, also mitten im August, wurden die Markierungsstangen für den Winter entlang der Straße hier gesetzt. Man sieht sie noch nicht an allen Straßen, aber vor meiner Hütte sind sie beidseits der Straße vorhanden.
Die letzten Tage ist es kälter geworden, gestern gab es heftige "Regen"-Schauer, ich konnte nicht genau identifizieren, ob es sich um Regen, Schneeregen oder Hagel handelte. Auf jeden Fall hatte der Niederschlag auch feste Konsistenz. Heute Nacht scheint es nochmal sehr heftig geregnet zu haben, das Thermometer hat knapp 6 Grad plus angezeigt. Auf den Berggipfeln am anderen Ufer liegt nun Neuschnee bis auf ca. 1200 m herunter.

Als ich bei durchwachsenem Wetter am Abend noch im Badestamp relaxen will, wird mir die Ruhe gründlich verdorben. Ein lautes Poltern im Ofen ist ja nichts Überraschendes - das geschieht öfters, wenn die Holzscheite nachrutschen. Aber Wellen hat das noch nie erzeugt! Als ich mich umdrehe hängt der ganze Ofen schief - jetzt sind wohl noch weitere Halterungen abgebrochen. Eine Halterung für die Holzverkleidung, die ich ohnehin nicht mehr nutzen will, ist bereits vor Wochen abgerostet. Und das bei einem angeblich seewasserfesten Edelstahlofen? Meine ersten Gedanken gelten der Dichtheit des Ofens (Asche im Badewasser?) und dem Schaden am Badestamp selbst: ist er noch dicht, sind die Befestigungsschrauben ausgerissen, hat der Ofen Löcher in die GFK-Schale gedrückt? Vorerst stelle ich keine weiteren Schäden fest, aber morgen werde ich das frisch aufgefüllte Wasser wieder ablassen und mir die Sache näher betrachten.

Montag, 30. August 2021

Müllentsorgung

Spät aufstehen, Internetsurfen und dann endlich raus! An die "frische Luft" - eigentlich besteht sie aus 100% Wasser, es regnet nämlich. Ich säge ein paar kleinere Baumtriebe an der Westseite der Hütte ab, die stören mich schon lange und bei starkem Wind klopfen sie immer an die Hauswand.

Dann geht die große Papiermüll-Verbrennung los. Seit 4 Jahren sammle ich Papier und Kartonagen, weil ich das Zeug immer als Anzündhilfe verwenden wollte. Allerdings kann ich gar nicht so viel anzünden wie ich Kartons habe. Es stehen auch noch ein paar große leere Kartons in der Werkstatt von den Gerätschaften, die ich mir zugelegt habe. Also - ab in den Ofen des Badezubers! Stundenlang füttere ich ihn mit Karton und Papier. Der Aschepegel steigt und steigt. Wenn sich eine Schachtel voll Brennmaterial zu Ende neigt, steht schon die nächste da, und die Schachteln selbst zerkleinere ich auch. Irgendwann fasst der Ofen nichts mehr, die Asche steht bereits am Ofenrohr an. Da muss ich morgen viel leeren.

Mehrere angenehme Nebeneffekte hat die Aktion allerdings: Ordnung im Haus und in der Werkstatt, viel mehr Platz in der Werkstatt und einen warmen Badestamp, den ich natürlich sofort ausnutze.



Sonntag, 29. August 2021

Adler

Beim morgendlichen "Aufstehrundgang" habe ich wieder mal unseren Seeadler entdeckt. Er sitzt auf seinem üblichen großen Felsen westlich der Bootshäuser und schaut sich um. Morgen-Meditation? Lange zuckt der Kopf rundherum, als ob er sich umschaut, wer ihn beobachtet. Dann wird er unruhig, pritschelt etwas umher, dreht sich zum Meer und feuert einen Strahl weißen Adlerschiss ab. Noch ein Rundumblick, ob's auch niemand gesehen hat? Unschuldig wendet er sich gen Westen, öffnet die Schwingen und hebt ab. Der sanfte Rhythmus seines Flügelschlags ist noch eine ganze Weile zu hören als er schon außer Sichtweite ist.