Dienstag, 30. November 2021

Wasserversorgung Stufe 2a

Es hat die letzten Tage nicht weiter geschneit, aber es ist nun zapfig kalt. Die Temperaturen schwanken von knapp unter 0 bis zu -13 Grad. Der Schnee knirscht, die Straße ist sehr glatt. Gelegentlich kann ich da meinen Schlitten ausprobieren, aber so richtig toll wie ich mir das vorgestellt hatte, ist das Schlittenfahren nicht. Egal, Hauptsache draußen!

Die Brunnenbohrer wollten eigentlich schon im August kommen. Das hat leider nicht geklappt und nun hat es sich verzögert bist Oktober. Auch da ist es dann schief gegangen, nun wollten Sie letzte Woche oder Anfang dieser Woche kommen. Dienstag ist ja noch "Anfang der Woche". "Zwischen 11 und 12" ist dann Punkt 12, bis die Bohrmaschine vom Anhänger fährt. Mr. Brunnen muss aber gleich wieder fort, weil am Begleitfahrzeug ein Rad gebrochen ist. Etwa 2 Stunden später geht es dann wirklich los! Bei eisigem Ostwind fühlt sich die Temperatur nach -15 Grad an - die Jungs haben sich wirklich den allerkältesten Tag für meinen Brunnen ausgesucht. Aber so läuft das ja bei mir immer - einfach kann ja jeder!

Es ist sehr interessant, wie das alles bei Dunkelheit und eisigen Temperaturen dennoch funktioniert. Zuerst wird mit einem großen Durchmesser gebohrt und gleichzeitig ein Rohr in den Boden getrieben - 3 m tief. Björn (Mr. Brunnen) bohrt leicht schräg vom Meer weg, er wird schon wissen warum! Er hat mit der Wünschelrute eine Wasserader gefunden und ich bin guter Hoffnung, dass wir die auch mit dem Bohrer recht schnell treffen. Der LKW ist noch mit einem riesigen Kompressor beladen, der den Staub aus dem Bohrloch ausbläst. 

Nachdem das Rohr bis ein kurzes Stück im Boden versenkt ist, tauscht Björn den Bohrer aus. Mit kleinem Durchmesser (ich schätze 10 cm) geht es nun rasch in die Tiefe. Der Bohrer hämmert, Der Kompressor arbeitet und das Bohrgut bläst aus einem dicken Rohr Richtung Berg. Nun taucht auch der zweite Mann mit dem reparierten Lieferwagen auf. Nach jeweils 3 m muss eine neue Bohrstange eingesetzt werden. 

20 m. Es ist kalt. Die Jungs haben sicher professionelle Kleidung an, ich bin zwar auch warm angezogen, aber ich erstarre dennoch fast zu Eis. Aber ich will dabei bleiben! 30 m. Der zweite Kollege holt die Pumpe und bereitet sie vor. 40 m. Noch kein Wasser. Es gibt eine Internetadresse, wo alle Brunnen in Norwegen verzeichnet sind. Dort ist auch die Bohrtiefe angegeben. Ragnars Brunnen ist 69 m tief, Björnars nur 55 m, obwohl seine Hütte höher liegt. Tronds Brunnen ganz oben auf dem Berg wird mit 110 m angegeben. Ich bin zuversichtlich. 50 m. Gegen die Kälte fangen wir an, etwas herumzuhüpfen. Vielleicht hilft der Regentanz ja? Bei 70 m werden wir endlich fündig! Ganz schön tief! Das herausgeblasene Wasser verleiht dem Abluftrohr einen ordentlichen Rückschlag und es macht sich leider selbständig. Dabei ergießt sich der geförderte Schlamm in unsere Richtung - schnell bringe ich mich in Sicherheit in der Werkstatt. Die Jungs fangen den Schlauch wieder ein und fixieren ihn mit einem Stahlseil. Björn bohrt noch etwas tiefer, bis er sicher in der Wasserader angekommen ist. Mit Pressluft wird auch danach noch das Bohrloch beschickt und drückt nun Wasser, Schlamm und Staub heraus.

 
Der Bohrer wird nun Stück für Stück wieder herausgezogen - man merkt den Jungs die Erfahrung an. Im Akkord wandern die Bohrstangen in die Höhe. Klack - eine hydraulische Zange fixiert sie und Björn löst per Fernsteuerung das Gewinde. Der zweite Mann schnappt sich die 3 m lange Stange und schichtet sie in den Vorratsbehälter.
Dann kommen noch die Nacharbeiten. Das Grundwasser scheint ordentlich unter Druck zu stehen, denn es drückt unaufhaltsam aus dem Rohr. Daher bohrt Björn ein Überlaufloch auf der einen Seite. Auf der anderen Seite wird der Anschluss für die Pumpenleitung gelegt. Die Pumpe ist bereits mit einem langen Kabel und einem Plastikrohr verbunden, die etwa jeden Meter mit Isolierband verbunden werden, während die Pumpe weiter und weiter in die Tiefe sinkt. Deckel drauf - fertig!
Kurz vor 7 Uhr abends verabschieden sich die Beiden und verladen Ihre Werkzeuge. Ich stülpe noch ein Regenfass zum Schutz über den Brunnen und ziehe mich schnell in die warme Stube zurück. Das war ein Abenteuer! Zur Belohnung gibt es nun noch einen ganzen Himmel voller herrlichem Polarlicht - ist das schön hier!!!



Samstag, 20. November 2021

Damit habe ich nicht gerechnet!

Heute soll ein "neues" Schränkchen den Weg zu mir finden. Es steht im Wintergarten von Astrid & Uwe und soll entsorgt werden. Da die Beiden heute ohnehin mit Anhänger nach Harstad fahren um eine Schneefräse zu kaufen, verabreden wir uns dort bei einem Laden für landwirtschaftliche Waren (ähnlich wie BayWa). Ihre Anfahrt dauert ziemlich gleich lang, wie meine, ich plane mir aber noch etwas Puffer ein. 

Die Straße sieht trocken aus, kein Regen. Ich sattle Hägar und den Anhänger und los geht's! Bereits hinter der nächsten Bergnase muss ich dann doch die Regenhose auch noch anziehen (die Regenjacke habe ich wegen der Kälte gleich angezogen) - es beginnt zu nieseln. Nur wenige Meter weiter rutscht Hägar in einer Kurve aus - oha, glatt! Auch auf der Hauptstraße ist der Untergrund ziemlich zwielichtig, ich traue ihm nicht. Kaum müssen wir über einen kleinen Hügel, schon säumt Schnee die Straße und es wird spiegelglatt! Also langsam machen - auch wenn uns die Autos überholen.

Auf der nächsten Anhöhe gibt es einen großen Parkplatz. Und eine rote Kelle! Ist was passiert? Unfall? Straße gesperrt? Nein - "nur" Verkehrskontrolle. Das darf hier auch die Straßenbehörde, nicht nur Polizei oder Zoll. Ich gebe mich freundlich, während der Ältere der beiden Kontrolleure versucht, meine Papiere zu kontrollieren. Ob Hägar als Traktor zugelassen ist? Hm - in der deutschen Zulassung steht "Ackerschlepper", aber der Fährgesellschaft habe ich anhand der Versicherungsunterlagen klar gemacht, dass Hägar ein Motorrad ist. Das macht preislich richtig viel aus. Ein Traktor also? Bis 40 km/h? Nein, er kann schneller. Ob ich dazu alle "Zertifikate" habe? Der Kontrolleur erkennt im Führerschein, dass ich (fast) alle Klassen fahren darf, also kein Problem. Er braucht noch meine Adresse in Deutschland und stellt dann fest, dass ich im "System" noch nicht erfasst bin. Das muss er nun nachholen und verschwindet im warmen Bus.
Mittlerweile schleicht der jüngere Kontrolleur um Hägar und legt sich sogar unter den Anhänger. Er kontrolliert ewig lange die Reifen um dann festzustellen, dass die Profiltiefe an EINEM Anhängerrad an manchen Stellen etwas unter 3 mm liegt. Das ist im Winter nicht ok, erklärt er mir. Beleuchtungskontrolle - ein Bremslicht am Hänger funktioniert nicht. Natürlich behaupte ich, das hätte zu Hause noch einwandfrei funktioniert. Hm. 
Es dauert über eine halbe Stunde, dann bekomme ich meine Papiere zurück. Mit dem Versprechen, einen neuen Reifen zu besorgen und das Bremslicht zu reparieren darf ich dann endlich weiterfahren!

Natürlich sind meine Freunde schon am Treffpunkt, aber sie haben noch nicht extra auf mich warten müssen. Der Kauf ist noch in vollem Gange. Uwe lädt das Schränkchen um, dafür helfe ich ihm, die neue Schneefräse aufzuladen. Einmal alle drücken und weiter geht's. 

Nach ein paar weiteren Einkäufen zockel ich wieder heim, diesmal auf Nebenstraßen, soweit das möglich ist. Da ist es zwar auch glatt, aber es ist viel weniger Verkehr und so halte ich nicht soviel auf. Im OBS habe ich endlich "Prezteln" gefunden und freue mich tierisch auf eine lecker Butterbreze. Na ja, sieht zwar aus wie eine Breze, schmeckt aber nicht so. Wenn man sehr verzweifelt ist, kann man sich ja sowas wieder mal kaufen und einbilden, man würde nun eine Breze essen.

Mittwoch, 17. November 2021

Grau

Heut gibt's nur eine kurze Notiz: den ganzen "Tag" über ist es dunkelgrau. Der Himmel ist von dichten Regenwolken verhangen, es regnet fast unentwegt. Kein Sonnen- oder Mondlicht, kein Tages- oder Polarlicht durchdringt den Vorhang.



Dienstag, 16. November 2021

Wieder zu Hause

Zu Hause, das ist meine Hütte in Liland mittlerweile wirklich geworden. Seit 1 1/4 Jahren wohne ich nun ununterbrochen hier...na ja gut, von ein paar Tagen Urlaub abgesehen. Mein "Tourismus-Manager"-Aufenthalt auf Rolla ist beendet und ich bin heute, mit Unmengen von Süßigkeiten aus Deutschland ausgestattet, zurückgefahren. Es hat ordentlich geregnet, so dass mein Motorrad-Regenanzug, den mir Astrid und Uwe auch mitgebracht haben,  unmittelbar zum Einsatz kam.

Alles abladen mag ich heute nicht mehr - es regnet zu sehr. Das Holz bleibt erstmal auf dem Hänger, alles andere wird natürlich verräumt. Und als erstes starte ich den Holzofen mit meinem selbstgemachten Holz vom letzten Winter. Übrigens - Werbung aus dem Briefkasten macht auch warm!



Dienstag, 9. November 2021

Wow - ein Seehund! Oder doch nicht?

Gestern hab ich mal einen Arbeitstag eingelegt. Es hat in der Nacht geschneit und ich hoffe, den Weg zu treffen, als ich mit dem "Dienstwagen" zu den Hütten fahre. Was ist angesagt? Aufräumen, Betten abziehen, putzen. Um ehrlich zu sein...lieber HABE ich eine Putzfrau als dass ich eine BIN. Es ist schon dunkel und hat noch etwas weiter geschneit als ich den Rückweg antrete. Die Wäsche kommt noch in die Waschmaschine, die bis tief in die Nacht hinein arbeiten muss. Ich dagegen darf den Abend nun genießen.

Heute möchte ich eigentlich die schneebedeckte Landschaft genießen. Die Drohne soll später noch ein paar schöne Aufnahmen machen. Zuerst muss ich mich jedoch noch um die Wäsche und den Müll kümmern. Die Müllabfuhr hat die letzten 2 Fuhren nicht mitgenommen, weil ich die Mülleimer anscheinend falsch herum an die Straße gestellt habe - das muss man erst mal wissen! Aus den Hütten und vom Campingplatz gibt es weitere Müllsäcke zu entsorgen. Ich packe einfach aus den nicht geleerten Tonnen noch 2 weitere Säcke und betitle sie als "Freizeitmüll". Somit kann ich alles in einem Container beim Wertstoffhof entsorgen.

Die Rückfahrt mache ich mir schön - ich erkunde einen Weg, den Google aufzeigt, der aber anscheinend ein Rad- und Fußweg ist, wie sich am Ende herausstellt. Egal - es war ein schöner Weg durch den verschneiten Wald und keiner hat's gesehen. Auf dem Rückweg tausche ich die leeren Pfand-Bierdosen der Gäste noch gegen neues Katzenfutter ein. Die Straße ist schneebedeckt und stellenweise etwas glatt, aber genau das macht mir eine irre Laune! Ich verlasse mich auf Hägars Allradantrieb und die kürzlich montierten Spikes und fühle mich sicher.

Für die Drohne ist es leider viel zu windig. Eigentlich wollte ich sie unten am Ufer etwas ausführen. Ordentliche Wellen, teilweise mit Schaumkrönchen, spülen um den Steg. Der Wind pfeift mir um die Ohren. Es ist ziemlich frisch da draußen aber eigentlich mag ich das. Nur nicht lange, dann fange ich an zu frieren. Was treibt denn da auf dem Meer? Es ist keine Boje. Treibholz? Hm, sieht sonderbar aus. Ein bisschen wie ein Hund. Flupp - weg ist es. Ein Seehund!? Oder eine Robbe - ich kenne mich da nicht aus - ich werde mich später im Internet schlau machen. Wow! Vielleicht taucht das Tierchen ja nochmal auf? Ich trotze der steifen Brise und warte noch 2 mal das Auftauchen des Tieres ab. Ganz nah am Ufer ist es jetzt. Danke - Du hast meinen Tag gerettet!!!

Ja, ich weiß, die Bilder sind sehr unscharf. Aber ich bin kein Fotograf, mein Handy ist keine Spiegelreflexkamera und auf die Entfernung bleibt nicht mehr viel übrig....


Freitag, 5. November 2021

Keine Langeweile

Der Tag heute ist ziemlich ausgefüllt. Bevor ich losfahre füttere ich noch schnell die Katzen, dann kopple ich den Anhänger mit Hägar. Auf nach Liland! Eine Ladung Holz nehme ich mit. In Bogen kann ich angeblich endlich meinen reparierten Ofen für den Badestamp bei der Post abholen. 
Es ist kalt (noch im Plus-Bereich) aber (fast) trocken, so dass die Fahrerei recht angenehm ist. Meine schwedischen Nachbarn sind da und wir tauschen ein kurzes Hallo aus. 
Abladen, Ofen abholen, ein paar Dinge im Haus erledigen und schon muss ich wieder los. Kurz nach 16 Uhr erwische ich die Fähre und bin dann gegen 18 Uhr wieder bei Astrids Oase. Der Müll wurde leider nicht abgeholt, die Bettwäsche bringe ich zu den nicht anwesenden Gästen und dann füttere ich schon wieder die Katzen. Fertig! 
Belohnung? Badestamp! 38° kochen mich zwar nicht ab, vertreiben aber immerhin den Frost aus den Knochen. und zur Krönung gibt es etwas Polarlicht, begleitet von einigen blinkenden Sternchen.


Dienstag, 2. November 2021

Rolla

 Es gibt nicht so viel zu tun. Geputzt habe ich genug, die Häuser für neue Gäste hergerichtet. Die Gäste sind nun da und zufrieden - sie sind pflegeleicht. Täglich grüßen die Katzen mit Hunger, aber das ist keine tagesfüllende Aufgabe. Die umgestürzten Bäume sind zersägt und weggeräumt. 

Also, was tun? Das Wetter ist schön, es ist nur leicht bewölkt. Also unternehme ich ein wenig sightseeing. Zuerst "überfliege" ich das Grundstück und über mit der Drohne. So ganz einfach ist das nicht, ich habe Sorge, das Gerät aus den Augen und vielleicht ganz zu verlieren. Ich probiere verschiedene Funktionen aus und taste mich langsam an die eine oder andere Grenze heran.
Danach geht's auf dem Landweg weiter. Hägar freut sich auch über eine kleine Forschungstour. Es gibt keine Abenteuer, nur ein paar schöne Bilder...

Hier die Luftansicht meines Aufenthaltsortes (Link)